Anfang der Woche kam M, ein zwei-jähriger Rüde, in unsere Praxis. Er wurde vorgestellt wegen Erbrechen und Durchfall seit ca 2 Tagen.
In der klinischen Untersuchung fiel sofort eine Gelbfärbung der kompletten Haut und Schleimhäute auf und der Rüde erschien nicht ganz bei sich.
Die klinische Untersuchung verlief ansonsten unauffällig, die Körperinnentemperatur lag bei 38,6° C und die Auskultation von Herz, Lunge und Bauch war normal.
Fremdkörper- oder Giftaufnahme konnten nicht ausgeschlossen werden, über die Herkunft des Hundes und den Impfzustand konnten die Besitzer keine genauen Angaben machen.
Montag abends wurde sofort eine Blutuntersuchung eingeleitet und der Rüde kam an die Infusion, um die schon sichtbar erhöhten Leberwerte zu verdünnen.
Die Besitzer bekamen die Aufgabe, bei der morgigen Wiedervorstellung eine Urinprobe mitzubringen und sich über die Herkunft, eventuelle Auslandsaufenthalte und den Impfstatus des Hundes zu informieren.
Differentialdiagnostisch kommen für den Ikterus (Gelbsucht) mehrere Faktoren in Betracht, unter anderem eine vermehrte Zerstörung von Blutzellen, z.B. durch Entzündungen oder Blutparasiten, eine Leberfunktionsstörung (Hepatose) oder eine Störung im Gallenabflusssystem.
Dadurch können die Farbstoffe nicht mehr in den Kot abgegeben werden und die Schleimhäute und die Haut verfärbt sich gelb.


Die wichtigsten Differentialdiagnosen aufgrund des Alters (und daher auch die Hausaufgaben an die Besitzer) sind Leptospirose, Blutparasiten, Virushepatitis (Hcc) oder auch die Staupeerkrankung.
Am nächsten Morgen kam der Rüde erneut in die Praxis, laut Besitzer kam der Hund vor zwei Jahren aus der Türkei. Leider hatten sie erneut nicht den Impfausweis dabei und auch keine Urinprobe.
Den Urin haben wir mittels Katheter entnommen und den Impfstatus konnten wir per Telefon erfragen. Bis auf eine Tollwutimpfung und eine Impfung gegen Staupe und Parvovirose war der Hund nicht geimpft.
Die Blutergebnisse zeigten neben dem schon bekannten Leberversagen noch ein hochgradiges akutes Nierenversagen, sodass Leptospirose als Ursache immer wahrscheinlicher wurde.
Sofort wurde eine PCR- Untersuchung des Urins und des Blutes eingeleitet und eine Antibiotikatherapie gestartet. Es erfolgte der dringende Rat mit dem Hund zur Dialyse und stationären Aufenthalt in die Klinik zu fahren. Die Besitzer entschieden sich aber dagegen, sodass wir eine Infusionstherapie und eine Bauchdialyse starteten.
Das Nierenversagen erwies sich leider im Nachhinein als zu schwerwiegend, zwar konnten wir nach 5 Tagen die Urinproduktion wieder ankurbeln, allerdings waren die Schäden am Magen-Darm-Trakt und in der Blutgerinnung bereits zu schwerwiegend, sodass auch eine Blutspende am Samstag Abend den Hund nicht mehr retten konnte. Am frühen Sonntag nachmittag wurde der Hund erlöst.
Leptospirose- was ist das eigentlich?
Die Auslöser dieser Erkrankung sind spiralförmige Bakterien, die Leptospiren. Neben dem Hund können auch Rinder, Nagetiere und auch der Mensch an Leptospirose erkranken, daher ist diese Erkrankung auch meldepflichtig beim Veterinäramt.
Die Ansteckung erfolgt meistens durch Kontakt mit infiziertem Urin von Nagetieren. Gerade in feuchten Gebieten bei warmen Wetter können die Bakterien in Pfützen überleben und dann durch kleine Haut- und Schleimhautwunden in den Körper eindringen.
Auch eine direkte Übertragung von Leptospiren durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut oder Urin, z.B durch Bissverletzungen ist möglich.
Die Inkubationszeit beträgt etwa 1 Woche, nach dieser Zeit setzen sich die Bakterien dann in den verschiedenen Organen des Körpers fest und sorgen damit für die klinischen Symptome. Hauptzielorgan ist die Niere, aber auch die Leber oder die Lunge können betroffen sein. Nierenversagen, Gelbsucht und Lungenblutungen sind die Hauptkomplikationen der Erkrankung.
Am schlimmsten erkranken junge umgeimpfte Hunde, aber auch Jagdhunde sind prädispositioniert für diese Erkrankung.
Was kann ich tun?
Als Prophylaxe ist definitiv die Impfung gegen Leptospirose zu nennen. Nach erfolgter Grundimmunisierung (zweimal impfen im Abstand von 4 Wochen und eine Auffrischung nach einem Jahr) hält der Impfschutz gegen die Erreger mindestens 6 Monate, sodass eine jährliche Auffrischung einen relativ sicheren Schutz bietet. Allerdings sollten in Risikogebieten oder bei jagdlich geführten Hunden oder Mäusefängern durchaus eine Impfung nach 6 Monaten empfohlen werden.
Die meisten Impfstoffe schützen gegen Leptospira canicola und L. icterohaemorrhagiae, dadurch sind die Erkrankungen durch diese Erreger inzwischen seltener geworden. Mittlerweile überwiegen die Erkrankungen durch andere Serovare, daher gibt es auch einen Impfstoff, der vor zwei weiteren Serovaren schützt.
Die Impfung wird allerdings von der StIKo (ständige Impfkommission) gerade neu bewertet, so dass es sein kann, dass der Impfstoff L4 (gegen 4 Servoare) und auch die halbjährliche Impfung empfohlen wird.


Ein Telefonanruf in der Praxis: Die Katze "Kimi" ist von der Anrichte gesprungen und läuft seitdem nur noch dreibeinig. Die Besitzerin vermutet, dass das Handwurzelgelenk ausgerenkt sei.
Angekommen in der Praxis untersuchen unsere Tierärzte den Unglücksraben und stellen sofort fest, dass das Problem nicht ein ausgerenktes Handwurzelgelenk ist, sondern sie vermuten ein Problem im Ellbogen.
Dies bestätigt sich im Röntgen. Der rechte Ellbogen ist ausgerenkt und verschoben. Zum Glück sind keine Knochen gebrochen.
Sofort wird die Katze in Narkose gelegt und der Ellbogen mit reichlich Muskelkraft von Seiten der Tierärztinnen wieder eingerenkt. Ein zweites Röntgenbild bestätigt den Erfolg der Bemühungen.
Zur Stabilisierung wird ein Gipsverband angelegt, den "Kimi" auch einige Wochen tragen muß.
Außerdem gibt es Schmerzmittel und regelmäßige Kontrolltermine.

 

Dienstag Nachmittag kam der Bernhardiner "Theo" in unsere Praxis.
Den Besitzern war auf dem Spaziergang aufgefallen, dass "Theos" Hodensack angeschwollen und blutig unterlaufen war. Auf Nachfrage gaben die Besitzer an, dass ihnen schon vor zwei Tagen aufgefallen war, dass der Hodensack sich vergrößert. "Theo" ging es vom Allgemeinbefinden gut.
Die Allgemeine Klinische Unersuchung ergab keine Auffälligkeiten, Theos Kreislauf war stabil, er hatte weiterhin gefressen uns getrunken.

vor OP

In der eingehenden, genaueren klinischen Untersuchung des Hodensacks fiel eine doppelt handtellergroße Verdickung auf, die Haut war ödematös mit viel Gewebsflüssigkeit.
Der Hoden auf der rechten Seite erschien palpatorisch unauffällig, der linke prall und derb und nicht mehr von umliegenden Gewebe abzugrenzen.
Differenzialdiagnostisch kamen neben einer Drehung des Hodens im Hodensack ein Tumor oder akute Entzündung den Hodens, des Nebenhodens oder Hodensack in Frage.
Aufgrund des akuten Verlaufs mit Hämatom und Ödembildung entschieden wir uns, den Rüden sofort zu operieren.
In Narkose wurde entschieden, aufgrund der hochgradigen Veränderungen den Hodensack zu amputieren. Die Besitzer entschieden sich außerdem für eine Kastration beider Hoden.
In der OP ergab sich das Bild einer Drehung des linken Hodens mit massiver Einblutung in Hoden, Nebenhoden und in das umliegende Gewebe.



nach OP
Hier der Vergleich zwischen normalem Hoden, im Bild unten, hell und dem eingebluteten Hoden oben im Bild.
Die Wunde wurde dreischichtig vernäht, der Hund mit Schmerzmedikation versorgt und routinemäßig zur Nachkontrolle einbestellt.
Mittlerweile komplikationslos verheilt ist "Theo" wieder Chef auf seinem Hof.


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